Kraftrichtungsordnung

Die Grundlage der Psycho-Physiognomik ist die von Carl Huter entwickelte Kraftrichtungsordnung. Er hat die unterschiedlichen Formen und Ausprägungen am Menschen, in der organischen Natur und in der Tier- und Pflanzenwelt studiert und wollte wissen, welche Energien und Kräfte diese Formen ausprägen.

Sowohl durch seine Erfahrung als Forscher in der Naturwissenschaft als auch durch seine feinsinnige und sensitive Wahrnehmungsfähigkeit hatte er ein Gespür dafür, dass jede Form in der Natur „spricht“, das heißt eine Information in sich trägt. Carl Huter begab sich auf die Suche, diese Formensprache zu entschlüsseln, um die Ausgestaltung der Schöpfung erklärbar zu machen.

Er erforschte die menschliche Zelle und deren Reizverarbeitung. Daraus entwickelte er das Grundgesetz des physiognomischen Geschehens:

    1. etwas, das einen Reiz abbekommt, verändert sich und

    2. verarbeitet den Reiz im Innern und transferiert den verabeiteten Reiz wieder nach draußen

    3. an der Peripherie zeigt sich, was innen geschehen ist. Dieser Prozess bildet den Kern der Psycho-Physiognomik.In dem Kerne wohnt die Kraft,verdaut und wächst, durchdringt und schweißt,

    4. bis in den Formen lebt der Geist.

    5. saugt außen auf den Lebenssaft,

    6. Huter drückte diesen Prozess in einem Gedicht folgendermaßen aus:

      In dem Kerne wohnt die Kraft, saugt außen auf den Lebenssaft,

      verdaut und wächst, durchdringt und schweißt,

      bis in den Formen lebt der Geist.

Seinen Forschungen und seiner Überzeugung nach nimmt die menschliche Zelle, der menschliche Organismus, den eingetretenen materiellen (physikalischen, chemischen, mechanischen) Reiz auf und verwandelt ihn, indem er ihm seelische, lebendige Kraft hinzufügt. Diese schöpferische, strahlende und durchlichtende Empfindungsenergie nannte er Helioda.

In den verschiedenen Religionen, Mythologien sowie auch in der Philosophie gibt es unzählige Ansätze, dem Phänomen der geistigen, schöpferischen Energie, der Schwingung, die alle Materie formt und beseelt, auf die Spur zu kommen, sie zu erfassen und zu beschreiben. Huter hat dieses Phänomen der vitalen ordnungsbildenden Energien mit seiner Kraftrichtungsordnung aufgeschlüsselt und fassbar gemacht.

Diese so qualifizierten formbildenden Energien lassen, auf den Mensch bezogen, auch Wahrnehmungen und Informationen zu, die über die materielle Form selbst hinausgehen. Denn wenn wir einen Menschen sehen, nehmen wir nicht nur seinen Körper wahr, sondern auch in welcher „Stimmung“ er ist, wir nehmen Signale wahr, die er aussendet, die bei uns z.B. Sympathie oder Antipathie auslösen können, weil sie mit unserer Energie in eine bestimmte Resonanz gehen.

Neben der bedeutenden Energie Helioda, hat Carl Huter weitere Energien erforscht und benannt: die Konzentrationsenergie, die Attraktionsenergie, den Magnetismus, die Elektrizität, Od und Medioma, sowie strahlende, gebundene und fliehende Wärme.

Wir betrachen diese Energien näher, die in der Zelle, dem kleinsten Baustein, lokalisiert sind, alle lebenden Organismen und Körper durchdringen und formen und über sie hinaus wirken:

Konzentrationsenergie

Die Information für die Enstehung eines jeden Lebenwesens ist konzentriert in der kugeligen Eizellen- oder Samenform. Diese konzentrierte, informationstragende Energie im Innern der Zelle oder im Samenkorn bleibt immer wirksam, auch wenn die Infromation sich entwickelt und die Kugelform verläßt. Das heißt, die formbildende Konzentrationsenergie, die sich durch Wachstum und in der Gestalt ausdrückt, ist eine geistige Energie. Die Konzentratiosnenegie ist schöpferisch. Sie ist die geheimnisvollste Energie, aus der sich alles offenbart und entwickelt.

Die Konzentrationsenergie strebt zur Ruhe, hat Sammelkraft und Bindungsvermögen. Wenn wir uns auf eine Sache konzentrieren, fokussieren oder meditieren, entsteht ein Mittelpunktsgeschehen, dem sich anderes unterordnet und wir zum Kern vordringen. So kommen wir zu Lösungen. Das geistige Konzentrationsvermögen des Menschen befindet sich in der Mitte der Nasenwurzel, dem „dritten“  Auge (Stirnchakra).

Attraktionsenergie

Die Attrakrationsenergie ist ein Teil der Konzentrationsenergie und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Sie wirkt „anziehend“ und „egoistisch“. Im Körper sorgt sie dafür, die Spannungs- und Stoffverhältnisse zu stabilisieren und die Proportionen zu erhalten. Menschen mit Attraktionsenergie wirken charismatisch, erotisch, suggestiv und machtanziehnd.

Magnetismus

Der Magnetismus ist eine physikalische Kraft, die formerhaltend wirkt und zu Festigkeit strebt. Der Magnetismus hat einen anziehenden Mittelpunkt, dieser polarisiert sich und bildet zwei Pole aus. Einen ausstrahlenden Nordpol und einen ansaugenden Südpol. Zwischen diesen beiden Polen wird um den Körper ein Kraftfeld gebildet, das wie ein schützender Mantel wirkt und die Ausbildung des Ichs fördert. Stark magnetische Menschen sind groß gewachsen und haben lange, gespannte und feste Körperformen. Magnetismus ist Ausdruck von körperlicher Kraft und Willensenergie. Psychologisch bedeutet er Distanz, Konsequenz, Sachlichkeit, Ausdauer, Zielorientierung, Selbstbehauptung, Unabhängigkeit, Führung.

Elektrizität

Elekrizität ist die Energie, die sich bei Innen- und Oberflächenspannung bildet und explosiv entlädt. Elektizität ist in allen Bewegungsprozessen wirksam. Beim menschlichen Körper bildet diese Energie gespannte Breitformen aus (z.B. abstehende Ohren). Die elektrische Energie ist Veränderungsenergie, sie bringt Unruhe mit sich, führt aber auch zu Klärung.

Psychologisch bedeutet Elektrizität Spannung, Unausgeglichenheit, Unberechenbarkeit, Auseinander-setzung, Gerechtigkeitssinn, Veränderung, Entladung, Zerstörung.

Helioda

Helioda ist die schöpferische Empfindungsenergie, die geistige Impuls- und Antriebskraft, das Lebenslicht der Zelle. Helioda ist Lichtenergie, die als Liebeskraft wirksam wird. Sie durchlichtet und läßt alles Lebendige strahlen. Köperlich zeigt sich die Helioda in feinen zarten Gesichts- und Körperformen, großen ausdrucksstarken Augen, und feinstrukturierter Haut.

Helioda wirkt positiv- und negativpolig. Die negativpolige Helioda baut einen inneren Kosmos auf, die positivpolige Helioda wirkt nach außen.

Psychologische Attribute der negativpoligen Helioda sind vergeistigt, verinnerlichend, meditativ, visionär, aufnehmend, bescheiden, die Charakteristika der positivpoligen Helioda sind freudig, glücklich, kreativ, strahlend, liebevoll, begeisternd.

Od

Od ist keine aktive Energie, sondern eine Qualität des lebendigen Körpers, der durch Stoffwechsel entsteht. Od ist die Essenz des Protoplasmas und ist ausgleichend, verhalten, passiv. Od wird gestaltet und gestaltet selber nicht.

Wenn Od von Helioda durchlichtet wird, entsteht Weichmedioma, wird es von Magnetismus verdichtet, entsteht Hartod.

Charakteristika des Weichmedioma sind auf der körperlichen und seelischen Ebene füllige, weiche Körperformen, Mütterlichkeit, Nähe und Liebe, Hingabe, Umhüllung, Geduld, Gutmütigkeit.

Hartmedioma bildet auf der Körperebene feste, rundfüllige, robuste Formen aus und äußert sich im Verhalten durch Distanz, Sachlichkeit, Gefühlsarmut, Härte, Unempfindlichkeit, Derbheit und Dauerenergie aus.

Stahlende, gebundene und fliehende Wärme

Im Zusammenhang mit physikalischen und chemischen Prozessen im Körper entsteht Wärme unterschiedlicher Ausprägung.

Strahlende Wärme, die durch das Od beeinflußt wird, richtet sich nach außen und bewirkt Kontaktfreude und verbindliches Sozialverhalten.

Gebundene Wärme entsteht zum einen durch Einfluss von mediomischer Energie und ist dann kühl und sachlich. Auch Magnetismus verursacht gebundene Wärme, die im Körper bleibt, die Kommunikation nach außen einschränkt und die Ich-Konzentration stärkt.

Fliehende Wärme ensteht durch Elektrizität. Sie strahlt und hat Wirkung auf das Gegenüber.

Wir sind als Menschen durch unser Bewusstsein in der Lage, die uns innewohnenden und bestimmenden Energien zu erkennen, zu steuern und sie uns zunutze zu machen. Darin liegt ein kraftvolles schöpferisches Veränderungspotenzial.

Quelle: Anita Horn-Lingk: Einstieg in die Psycho-Physiognomik – Lehrbuch der ganzheitlichen Menschenkenntnis, vertraudich Verlag 2015