Naturelle

Die Möglichkeit durch Gesichter lesen die Charaktereigenschaften und Bedürfnisse einer Person zu erkennen, findet seine Erklärung in der Keimblatttheorie. Sie erklärt, dass Organsysteme im Embryo nach der Befruchtung des weiblichen Eis mit dem männlichen Samen in unterschiedlicher Ausprägung entstehen. Das führt zum differenzierten Bau unserer Organe und damit zur individuellen Form des Körpers.

Entwicklung der Keimblätter

Etwa zwölf Tage nach der Befruchtung erwachsen durch Zellteilungen zwei sogenannte Keimblätter, ein äußeres Keimblatt, das Ektoderm, und ein inneres Keimblatt, das Endoderm. Zwischen diese beiden schiebt sich nach weiteren 10 Tagen ein mittleres Keimblatt, das Mesoderm.

Empfindungssystem

Das äußere Keimblatt Ektoderm bildet in seiner späteren Entwicklung das Empfindungssystem aus. Zum Empfindungssystem gehören Haut, das Zentralnervensystem, insbesondere die Gehirnnerven, das Rückenmark, die Augen und Ohren.

Ernährungssystem

Das innere Keimblatt Endoderm ist zuständig für die Entfaltung unseres Ernährungssystems. Zum Ernährungssystem zählen die Organe der Verdauung, Atmung und Ausscheidung.

Bewegungssystem

Das dritte Keimblatt ist für die Entstehung unseres Bewegungssystems verantwortlich. Ihm wird unser Bewegungsapparat, also das Skelett, Knochen, Gewebe, Bänder, Knorpel und Muskeln, der Kreislauf und das Herz zugeordnet.

Individuelle Entwicklung der drei Keimblätter

Die individuelle Entwicklung der Keimblätter ist der Schlüssel zum Lesen der Gesichter, denn sie bestimmen unseren Körperbau und unserer Charaktereigenschaften.

Alle drei Keimblätter können sich gleichmäßig entwickeln, das heißt, kein Keimblatt dominiert. Alle Organanlagen, die aus den drei Keimblättern entstehen, können sich gleich stark entwickeln. Dann sind die Voraussetzungen für die Entwicklung eines ausgeglichenen Naturells gegeben.

Durch die individuelle Entwicklung unterschiedlicher Ausprägung zeigen sich die unterschiedlichen Naturelle. Dominiert ein Keimblatt, sehen wir eines der drei Grundnaturellen, stehen zwei im Vordergrund bilden sie Mischnaturelle.

Empfindungsnaturell

Dominiert vom äußeren Keimblatt, steht das Empfindungssystem im Vordergrund und bildet feine und zarte Körperformen. Auch auf der psychischen Ebene überwiegen wegen des Vorherrschens des Nervensystems und der Sinnesorgane die Kreativität und das feine und tiefe Empfinden.

Psycho-Physiognomische Signatur

Zart, feingliedrig, vornehm blasse Haut, Eiform des Kopfes, größte Masse über der Augenlinie, große Augen, Haare fein und wellig, Kinn fein und zurückliegend oder lebhaft vorspringend.

Große schöpferische Fantasie, d. h. hohe Kreativität, Feinfühligkeit und Einfühlsamkeit gehören zu den Stärken dieses Naturells. Dank der Helioda und der Elektrizität ist großer Ideenreichtum und der Wunsch nach Verbesserungen vorhanden. Qualität geht immer vor Quantität. Ein Empfindungsnaturell sucht nach Reizen und Informationen, die zu neuen kreativen Ideen führen. Es möchte nicht überzeugen, sondern berühren, es nimmt sich leicht zurück, da dieses Naturell sehr selbstkritisch ist und eher im Hintergrund wirkt. Es fühlt sich stets dem Guten und Schönen verbunden und strebt nach ideellen Werten. Empfindungsnaturelle sind Ideengeber, die Umsetzung überlassen sie gern anderen.

Nervensystem, Haut und Sinnesorgane sind die Stärken und damit auch gleichzeitig die Schwächen dieses Naturells. Empfindungsnaturelle sollten eine Reizüberflutung vermeiden, um die eigenen Kräfte zu erhalten. Die Durchsetzungsfähigkeit und die Möglichkeit der Abgrenzung sind bei Empfindungsnaturellen schwach angelegt und müssen erarbeitet werden.

Empfindungsnaturelle, die ausgeglichen und harmonisch leben, schwelgen nicht nur im Ideenreichtum, sondern setzen ihn dank ihrer inneren Sicherheit auch um und sind oft sehr erfolgreich. Diese innere Sicherheit erlaubt es ihnen, diese Ideen auch wirtschaftlich lohnend zu verwirklichen. Eine unausgeglichene Lebensausrichtung kann zu arglistigem und intrigantem Verhalten führen, denn Empfindungsnaturelle wissen sehr gut, wie sie durch subtile Handlungen Schaden anrichten können.

Ernährungsnaturell

Hier dominiert das innere Keimblatt, das Endoderm. Im Vordergrund steht das Ernährungssystem und bildet füllige und gut gepolsterte Körperformen. Auf der psychischen Ebene bedeutet das Freude am geselligen Beisammensein, aber auch ökonomisches Verhalten.

Psycho-Physiognomische Signatur

Runde, breite, gepolsterte Formen, mittelgroßer, korpulenter Körper, runde Nasenspitze, volle Lippen, kürzere Stirn, durch die Polsterung der Unterhaut wenig Konturen (Falten) im Gesicht; gemütlich, bedächtig, ökonomisch, Organisationstalent, liebt Komfort und möchte sich wohlfühlen, hängt an Haus und Hof, bleibt gern bei Bewährtem; Stärke und Schwachpunkt zugleich sind wegen der übermäßigen Genussfreude die Verdauungsorgane und der Herz-Lungen-Kreislauf; die Konzentrationsenergie ermöglicht die Rundformen, die elektrische Energie die Breitformen, Od und Medioma prägen die Ausstrahlung

Das Ruhebedürfnis kann beim Ernährungsnaturell dazu führen, dass es sich trotz seines wirtschaftlichen Talents nicht nur nicht bewegen will, sondern auch das Denken vernachlässigt. In diesem Fall zeigt es zu wenig Willensanspannung und verliert an Energie. Sein lebenspraktischer Sinn ist sachlich und auf materielle Dinge gerichtet. Philosophisches Gedankengut erfordert geistige Regsamkeit und wird deshalb gemieden.

Das Ernährungsnaturell wirkt robust, ohne es zu sein. Der Knochenbau ist kräftig, aber das Gewebe locker und schwammig und die Muskulatur schwach. Gut ist seine Regenerationskraft, denn es erholt sich sehr schnell nach einer Anstrengung und benötigt wenig Schlaf.

Pragmatisches, realistisches und nüchternes Denken ist die Stärke des Ernährungsnaturells. Es ist selbstzufrieden und liebt sinnlichen Genuss. Der Erwerb materieller Güter, ohne sich anzustrengen oder die Ruhe aufgeben zu müssen, gehört zu den bewundernswerten Eigenschaften dieses Naturells. Die Freude an Besitz, Häuslichkeit und Ökonomie und die Stärke im Wirtschaftsdenken unterstützen es dabei. Ein Ernährungsnaturell ist konservativ und verlässlich; anerzogene Rituale behält es meist sein Leben lang bei, wobei es alles durch die Brille der Realität anschaut und familiäre oder religiöse Gewohnheiten nie überbewertet. Ein Ernährungsnaturell liebt traditionelle Hausmannskost, die auch Fleisch enthalten soll. Rohköstlern und Körnerliebhabern begegnet es mit Unverständnis.

Das Ruh- und Ernährungsnaturell strahlt in einem ausgeglichenen Zustand Selbstzufriedenheit und Realismus aus. Es ist der Ruhepol in jedem Team, wenn es seinen Arbeitsstil – minimaler Aufwand für maximales Ergebnis – verwirklichen kann. Es verbreitet Behaglichkeit und Gemütlichkeit und mit seinem Hang zu Heim und Herd schafft es ein Nest, in dem ein guter Tropfen und angenehmes Essen immer zu finden sind. Ausgeglichenheit verleiht ihm größere Tatkraft und es zeigt mehr Interesse und Verständnis für intellektuelle Überlegungen. Eile, Hast, körperliche Überforderung und unnötige Diskussionen führen zur Disharmonie und können kalte und harte Gefühle wecken.

Bewegungsnaturell

Hier dominiert das mittlere Keimblatt, das Mesoderm. Das Bewegungssystem steht im Vordergrund und bildet lange und eckige Körperformen. Auf der psychischen Ebene überwiegen wegen des vorherrschenden Bewegungssystems der Drang nach Bewegung, nach Dynamik und Aktivität, aber auch starke Willenskomponenten.

Psycho-Physiognomische Signatur

Eckige, kantige, markante Formen, groß, hager, starker Knochenbau mit festen und deutlich sichtbaren Muskeln, kastenförmiges, langes Gesicht, leicht fliehende Stirn; Gesichtsteil unterhalb der Augenlinie länger als die Stirn; Tat- und Willensmensch, starke motorische Antriebe, Durchsetzungskraft, Angriffslust, willensstark, dynamisch, kühl, aktiv, nüchtern, Bewegungsfreude, klare Grundsätze; Stärke und Schwachpunkt zugleich Bewegungsapparat, Herz, Blut und Gefäße; Form bildende Kräfte Magnetismus und Elektrizität

Ein Bewegungsnaturell ist mit starker Willenskraft ausgestattet, evtl. mit einer gewissen Überheblichkeit und Härte. Es ist praktisch und packt gern an. Nichts ist zu viel, nichts ist zu schwierig. Herausforderungen werden mit Freude angenommen. Ein Bewegungsnaturell ist streng mit sich selbst und fordert das Gleiche von seinem Gegenüber. Widerstände sind zur Überwindung da und Grenzen, die andere ihm setzen, werden nur sehr schwer akzeptiert. Es erwartet allerdings, dass andere die Grenzen einhalten, die es selber setzt. Es ist ausgesprochen freiheitsliebend und benötigt ein sehr weites Betätigungsfeld. Seine Handlungen werden aus grundsätzlichen Einstellungen getroffen, ethische und moralische Aspekte sind für dieses Naturell von untergeordneter Wichtigkeit. Seine kühle und nüchterne Sprache zeugt von Sachlichkeit und Entschlossenheit.

Ein Bewegungsnaturell ist fest davon überzeugt, dass sein Lebensstil und seine Ansichten auch für sein Umfeld richtig sind, und hat deshalb oft für andere Einstellungen und Meinungen wenig Verständnis. Stets versucht es, zu überzeugen und seine Meinung durchzusetzen. Um seine Mitmenschen auf den „rechten Weg“ zu bringen, scheut es keinen Konflikt. Harmonie gehört nicht zu seinen Grundbedürfnissen.

Wie jedes Naturell, so kann sich auch das Bewegungsnaturell in eine harmonische und ausgeglichene Richtung bewegen. In diesem Fall setzt es sich für das Wohl seiner Umgebung ein, wird ruhiger und sozialen Aspekten zugänglicher. Lebt es unausgeglichen, dann verhärten sich seine Gefühle und es versucht, andere in seinem Sinne zu beeinflussen.

Ausgeglichenes Naturell

Huter bezeichnete dieses Naturell als das harmonische Naturell, da hier alle drei Keimblätter und damit alle drei Organsysteme gleich stark ausgeprägt sind und in Form und Wirksamkeit im Einklang miteinander stehen.

Psycho-Physiognomische Signatur

Mittelgroß bis groß, Körper ebenmäßig, gut proportioniert; starke Ausstrahlung, empfindsam, seelisch ansprechbar, tatkräftig, tolerantes und vermittelndes Denken; vielseitig interessiert, verbindlich, wägt ab, wirkt ausgleichend, „Friedensstifter“, Mediator; Helioda ist die leitende Kraft.

Diese harmonische Ausrichtung zeigt sich sowohl in der geistigen Entwicklung als auch im Körperbau. Menschen dieses Naturells suchen immer den Ausgleich und handeln diplomatisch. Sie strahlen Selbstbewusstsein aus ohne Selbstgefälligkeit. Dieser ausgeglichenen Wesensart kann sich kaum jemand entziehen.

Ausgeglichene Naturelle sind Menschen mit hoher sozialer Kompetenz, unabhängig von akademischem Wissen; hier finden wir die sogenannte Weisheit des Herzens.

Unausgeglichenes Naturell

Beim unausgeglichenen Naturell sind alle drei Keimblätter und damit alle drei Organsysteme ausgeprägt, aber nicht im gleichen Verhältnis angelegt. Sie stehen in Form und Wirksamkeit ungünstig zueinander.

Psycho-Physiognomische Signatur

Klein bis groß, Körperformen unregelmäßig, ungleiche Proportionen; starke elektrische Ausstrahlung, reizbar, unberechenbar, große innere Unruhe, Lust und Freude am Kritisieren und Protestieren, misstrauisch, negativ denkend, innerlich unausgeglichen und zerrissen, jähzornig, „Unruhestifter“; die elektrische Energie verursacht den Wunsch nach Veränderungen

Die ungleichmäßigen Proportionen spiegeln sich in Gesichts- und Körperformen und den Charaktereigenschaften. Unregelmäßige Ausprägungen der Formen können bei allen Naturellen vorkommen, doch erst wenn fünf bis sieben Disharmonien auffallen, sprechen wir von einem unausgeglichenen Naturell. Ein einheitliches Bild dieses Naturells aufzuzeigen ist kaum möglich, da hier die Variationsmöglichkeiten der Formen besonders groß sind. In extremer Ausprägung kommen sie eher selten vor. Bei diesen Naturellen findet sich viel elektrische Energie und häufig auch ein dominanter Magnetismus, die es sprunghaft, unruhig und undiszipliniert agieren lassen.

Die Unausgeglichenheit steht bei diesem Naturell im Vordergrund. Wie das ausgeglichene Naturell verfolgt das unausgeglichene Naturell seine Ziele konsequent, allerdings ohne Rücksicht auf andere. Nur das Ziel ist wichtig, der dabei entstehende Schaden wird in Kauf genommen. In einem Umfeld von Naturellen, die seine verleugneten Gefühle ansprechen können, kann es eine gewisse Weichheit entwickeln, die das Machtstreben begrenzt und seine Handlungen auf das Machbare beschränkt. Es kann dann wegen seiner Freude an Kampf und Widerspruch sehr erfolgreich als Personalvertreter oder Oppositionsführer agieren.

Mischnaturelle

Viele Menschen lassen sich nicht ausschließlich einer der drei Grundrichtungen zuordnen. Sobald sich zwei Keimblätter stärker als das dritte entwickeln, sprechen wir von Mischnaturellen.

Die Eigenschaften der Mischnaturelle ergeben sich aus der Stärke der Organsysteme.

Psychophysiognomik ist Menschenkenntnis. Sie basiert auf dem Wissen über Körper- und Kopfformen, Gesichts- und Augenausdruck, Strahlung, Färbung und Spannung von Haut und Gewebe. Dabei werden prägnante physische Merkmale, die volksgruppenspezifisch sind und besondere Fähigkeiten ausdrücken, wie zum Beispiel Durchsetzungsfähigkeit oder Fleiß, beachtet. Die Physiognomik geht davon aus, dass sich das Äußere im Inneren widerspiegelt und umgekehrt, dass sich das Innere im Äußeren zeigt. Das bedeutet, dass Ihr Körper und Gesicht dann Frieden und Einklang zeigen, wenn Sie in Ihrer Seele den Frieden und Einklang auch gefunden haben.

Quelle: Das Gesicht und seine Faszination; K.Thornton, K.Ritter